Kolumne

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Kurz vorgestellt, mein Taunusmein Taunus

 

”Ich schweiß dir ´nen Bügel dran, dann kannst du ihn besser wegschmeißen.”  - Aussage des ortsansässigen Kfz-Mechanikers zu meinem neu erworbenen Ford Taunus II.

Eigentlich haben wir nur ein sehr billiges Winterauto gesucht. Aber als ich den Taunus im Hinterhof entdeckte, war es um mich geschehen - Liebe auf den ersten bzw. zweiten Blick. Zweiter Blick, weil schon mein Vater (damals nicht älter als ich jetzt) einen levantinerblau-metallic-farbenen Taunus besaß. Wie hätte ich das gute Stück da im Hof verrotten lassen können?

Zudem liegen die Vorzüge dieses Wagens deutlich auf der Hand:

Rein äußerlich besticht er durch eine klare, den 70ern typische, Linie. Man könnte ihn glatt für den kleinen Bruder eines amerikanischen Straßenkreuzers halten. Wo findet man hinten noch Aufstellfenster? Für sein alter (Bj. 76) hat er nur wenig gelaufen. Keine dieser zerschlissenen Bosporus-Dschunken.

Ein Blick ins Innere zeigt eine sehr gut gepflegte GL-Austattung, die mit den blauen Stoffsitzen und den Kokos-Fußmatten. Die Highlights in diesem Schmuckstück bilden die Holzelemente und der Drehzahlmesser, die es damals nur gegen Aufpreis gab (sie gehören eigentlich zur Ghia-Ausstattung).

Einziges Manko war ein kleines Rostloch am Kotflügel, aber für 800,-- DM geschenkt!

“Das ist der letzte Kotflügel auf’m Lager. Kriegen Sie billiger - ist etwas verbeult.” Die Teile für den Taunus werden langsam rar und an Sätze wie diesen oder “Wären Sie doch vor zwei Tagen gekommen. Bei der Inventur gestern haben wir alles auf den Container geworfen.” muß man sich wohl oder übel gewöhnen.

mein Ford und ichDen Kotflügel habe ich mitgenommen, trotz Beule. Das ganze wurde ausgebeult, gespachtelt, montiert und lackiert. Fertig. Bei der Montage machte ich eine bemerkenswerte Entdeckung - original Terosonstopfen. Deshalb hatte sich der Taunus so gut gehalten. Er war hohlraumversiegelt.

Ehrensache, daß er vor dem Winter nochmals versiegelt wurde.

Alles in allem ist der Taunus ein schlichtes, ehrliches Auto und auch technisch wird er diesem Ruf gerecht.  Zahnriemen gerissen? Kein Problem! Das einzige kaputte Teil ist und bleibt der Zahnriemen. Bei den niedrig verdichteten Motoren (Normalbenziner) machen die Kolben nicht die Bekanntschaft der Ventile. Also neuer Zahnriemen drauf (kann man prima selber machen) und die Kiste läuft wieder.

Und den soll ich wegschmeißen? Nein, jetzt wird er gehegt und gepflegt (frei nach Heinz Erhardt) bis er stinkt oder zum Oldtimer wird.

 

KSP